So viele fürchten sich vor einer Berufsunfähigkeit

Wie groß die Sorge vor dem Verlust der eigenen Arbeitskraft ist und welche Erkrankung die Bürger berechtigterweise für die häufigste Ursache halten, verdeutlicht eine aktuelle Umfrage.

13.5.2019 (verpd) Fast jeder zweite Erwachsene hat hierzulande Angst davor, seine Arbeitskraft zu verlieren, wie eine repräsentative Befragung belegt. Bei der Einschätzung, dass psychische Leiden am häufigsten zu einer Berufsunfähigkeit führen, lagen die Umfrageteilnehmer richtig, wie auch eine Statistik der Deutschen Rentenversicherung belegt.

Annähernd jeder zweite Bundesbürger hat Angst davor, seine Arbeitskraft zu verlieren. Dies ist das Ergebnis einer Mitte April durchgeführten Onlineumfrage der Yougov Deutschland GmbH im Auftrag eines privaten Versicherungs-Unternehmens. An der Befragung haben 2.038 Erwachsene teilgenommen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind den Angaben der Studienautoren zufolge repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

Jeder Dritte hat keine Furcht vor Arbeitskraftverlust

Mehr als jeder dritte Befragte gab an, dass hinter der Furcht, die eigene Arbeitskraft zu verlieren, insbesondere finanzielle Gründe stecken. Bei den Frauen und den Personen mit mindestens zwei Kindern waren es rund vier von zehn Umfrageteilnehmern, und bei den Auszubildenden sogar fast die Hälfte der Befragten, die dieser Aussage zustimmten.

Etwa jeder Neunte erklärte außerdem, dass er deshalb Sorge hat, seine Arbeitskraft einzubüßen, weil er gerne arbeitet.

Nur jeder Zehnte hat deshalb keine Angst vor einer Erwerbs- oder Berufsunfähigkeit, weil er der Ansicht ist auch in diesem Fall finanziell gut abgesichert zu sein. Und fast jeder Fünfte erklärte, sich grundsätzlich nicht zu fürchten, dauerhaft arbeitsunfähig zu werden. Bei den Frauen, Eltern mit mindestens zwei Kindern und den Auszubildenden war nicht einmal jeder sechste Befragte aus dieser Personengruppe dieser Ansicht.

Die häufigste Ursache, die zum Verlust der Arbeitskraft führt

Gefragt wurde ferner nach der subjektiven Einschätzung, welche gesundheitlichen Probleme besonders häufig zu einer Berufsunfähigkeit führen. Dabei konnten sich die Umfrageteilnehmer für bis zu drei vorgegebene Antworten entscheiden. Am häufigsten wurden als Hauptursache für eine Berufsunfähigkeit psychische Krankheiten genannt. Dies ist nach Statistiken des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) und der Deutschen Rentenversicherung (DRV) auch tatsächlich der häufigste Grund, der zu einer Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit führt.

Fast jede dritte Berufsunfähigkeit, für die Betroffene eine Leistung aus der privaten Berufsunfähigkeits-Versicherung erhalten haben, war auf eine Nervenkrankheit, hierzu gehören auch die psychischen Erkrankungen, zurückzuführen. Dies ergab eine letztjährige Datenauswertung des GDV auf Grundlage von Daten aus dem Jahr 2016. Auch DRV kam 2018 zu dem Ergebnis, dass die mit Abstand häufigste Ursache, die zu einem Anspruch auf eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente führte, psychische Erkrankungen sind.

Denn den DRV-Zahlen zufolge – Datenbasis waren auch hier die Daten von 2016 – haben 43 Prozent aller Personen, denen in 2016 erstmalig eine gesetzliche Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit zugesprochen wurde, wegen psychischer Leiden ihre Arbeitskraft ganz oder teilweise eingebüßt. Weitere häufige Ursachen, die zu einer Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit führen, sind nach Daten des GDV Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparates, Krebs, Unfälle und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Lückenhafte gesetzliche Absicherung

Diverse Fakten belegen, dass grundsätzlich die gesetzliche Absicherung im Falle einer Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit nicht ausreicht, um die dadurch erlittenen Einkommenseinbußen auszugleichen. Schon seit 2001 gibt es für alle, die nach dem 1. Januar 1961 geboren sind, von der gesetzlichen Rentenversicherung keine gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente mehr.

Arbeitnehmer, die zwar noch erwerbsfähig, also in irgendeiner Erwerbstätigkeit arbeiten können, aber aufgrund eines Leidens berufsunfähig sind, das heißt, ihren bisherigen Beruf nicht mehr ausüben können, haben somit keinen Anspruch auf eine entsprechende gesetzliche Rente. Und selbst wer aufgrund eines Leidens dauerhaft weniger als sechs Stunden arbeiten kann, hat nur Anspruch auf eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente, sofern er die versicherungs-rechtlichen Voraussetzungen erfüllt. Er muss unter anderem eine gewisse Zeit gesetzlich rentenversichert gewesen sein.

Die meisten Selbstständigen, aber auch Hausfrauen und -männer sowie Kinder haben daher bis auf wenige Ausnahmen gar keinen Anspruch auf eine gesetzliche Erwerbsminderungs-Rente.

Höhe Einkommenslücke trotz gesetzlicher Erwerbsminderungsrente

Doch auch Arbeitnehmer, die erwerbsgemindert sind und einen Leistungsanspruch aus der gesetzlichen Renten- und/oder gesetzlichen Unfallversicherung haben, müssen mit erheblichen Einbußen gegenüber ihrem Einkommen vor der Erwerbsminderung rechnen.

Die durchschnittliche Rentenhöhe bei einer gesetzlichen vollen Erwerbsminderungsrente, die nur derjenige erhält, der weniger als drei Stunden am Tag erwerbstätig sein kann, lag bei den Betroffenen, welche erstmalig in 2017 eine solche Rente zugesprochen bekamen, bei unter 760 Euro. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Bruttoeinkommen eines rentenversicherten Arbeitnehmers betrug nach DRV-Angaben in 2017 rund 3.100 Euro. Auch dies zeigt, dass eine gesetzliche Absicherung alleine im Falle einer Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit zu erheblichen Einkommensverlusten führt.

Die private Versicherungswirtschaft bietet daher entsprechende Lösungen wie eine private Erwerbs- und/oder Berufsunfähigkeits-Versicherung an, die diese finanzielle Lücke im Fall des Falles absichern. Bei einer umfassenden Beratung durch einen Versicherungsexperten erfährt man, wie hoch die gesetzliche Absicherung im individuellen Fall tatsächlich sein würde und welche Absicherungslösungen für die persönliche Situation am sinnvollsten sind.